Das Wichtigste in Kürze
Der Markt hat sich seit 2022 um ca. 25% korrigiert – laut Chrono24 ChronoPulse Index
2024 zeigt Stabilisierung, aber Experten sehen noch keine klare Trendwende
Rolex bleibt die liquideste Marke im Sekundärmarkt
Patek Philippe und AP haben 2024 leicht an Wert verloren
Preise variieren stark je nach Modell, Zustand und Ausstattung – immer mehrere Quellen prüfen
Was ist 2021-2024 passiert – und wo stehen wir jetzt?
Der Luxusuhrenmarkt hat in den letzten Jahren eine beispiellose Achterbahnfahrt erlebt. Was 2020 mit pandemiebedingten Unsicherheiten begann, entwickelte sich 2021 und 2022 zu einem regelrechten Boom. Die Preise für begehrte Modelle schossen in die Höhe, Wartelisten wurden länger, und der Sekundärmarkt erlebte einen nie dagewesenen Aufschwung.
Die Gründe für diesen Boom waren vielfältig: Niedrige Zinsen machten alternative Anlagen attraktiv, Stimulus-Checks in den USA sorgten für zusätzliche Kaufkraft, und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten lenkten Konsumausgaben auf Luxusgüter um. Hinzu kam ein verstärktes Interesse jüngerer Käufer, die Uhren nicht nur als Statussymbol, sondern auch als Wertanlage entdeckten.
Doch ab Mitte 2022 begann die Korrektur. Steigende Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheiten und eine gewisse Marktsättigung führten zu fallenden Preisen – besonders bei den zuvor am stärksten gestiegenen Modellen. Eine Rolex Daytona, die auf dem Höhepunkt des Booms für über 40.000 Euro gehandelt wurde, fiel auf Preise um 25.000-30.000 Euro zurück.
Diese Korrektur war jedoch keine Krise, sondern eine gesunde Normalisierung. Die Preise haben sich auf einem Niveau eingependelt, das zwar unter den Höchstständen liegt, aber immer noch deutlich über den Listenpreisen der Hersteller. Der Markt ist reifer geworden, spekulatives Verhalten hat abgenommen, und echte Sammler und Liebhaber prägen wieder stärker das Geschehen.
Die wichtigsten Entwicklungen 2021-2024:
2021: Boom-Phase mit stark steigenden Preisen, besonders bei Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet
2022: Höhepunkt im Frühjahr, danach beginnende Korrektur durch Zinserhöhungen und wirtschaftliche Unsicherheiten
2023: Fortsetzung der Korrektur, Stabilisierung auf niedrigerem Niveau, Rückkehr zu fundamentaleren Bewertungen
2024: Konsolidierung des Marktes, selektive Erholung bei bestimmten Modellen, wachsendes Interesse an Vintage-Uhren
Aktuelle Trends und Preisentwicklungen
Der Luxusuhrenmarkt 2025/2026 zeigt ein differenziertes Bild. Während die Zeiten der explosiven Preissteigerungen vorbei sind, bietet der Markt nach wie vor attraktive Chancen – sowohl für Käufer als auch für Verkäufer. Entscheidend ist, die aktuellen Trends zu verstehen und die richtigen Modelle zu identifizieren.
Bei Rolex, nach wie vor die dominierende Marke im Sekundärmarkt, zeigt sich ein gemischtes Bild. Sportmodelle wie Submariner, GMT-Master II und Daytona haben sich auf einem stabilen Niveau eingependelt, das zwar unter den Höchstständen liegt, aber immer noch Aufpreise gegenüber dem Listenpreis bedeutet. Klassische Modelle wie die Datejust oder Day-Date sind hingegen oft zu Preisen nahe oder sogar unter dem Listenpreis erhältlich.
Patek Philippe zeigt eine ähnliche Entwicklung. Die Nautilus, lange Zeit das begehrteste Modell überhaupt, hat deutlich korrigiert, bleibt aber ein gefragtes Sammlerstück. Komplikationsuhren und klassische Dresswatches der Marke zeigen sich preisstabiler, da sie weniger von spekulativer Nachfrage getrieben waren.
Interessant ist die Entwicklung bei Marken der zweiten Reihe. Tudor, die Schwestermarke von Rolex, hat sich als attraktive Alternative etabliert und zeigt stabile bis leicht steigende Preise. Omega profitiert von der Popularität der Speedmaster und der MoonSwatch-Kooperation mit Swatch. Auch Marken wie Grand Seiko, Breitling und IWC verzeichnen wachsendes Interesse.
Marktdaten im Überblick
Ein besonders interessanter Trend ist das wachsende Interesse an Vintage-Uhren. Modelle aus den 1960er bis 1980er Jahren erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, da sie eine einzigartige Ästhetik bieten und oft zu attraktiveren Preisen erhältlich sind als moderne Sportmodelle. Für Sammler bieten sie zudem das Potenzial für Wertsteigerungen, da gut erhaltene Exemplare immer seltener werden.
Kaufen und Verkaufen: Was Sie jetzt wissen müssen
Ob Sie eine Luxusuhr kaufen oder verkaufen möchten – das aktuelle Marktumfeld bietet Chancen, erfordert aber auch eine fundierte Herangehensweise. Die Zeiten, in denen man mit fast jeder Rolex automatisch Gewinn machte, sind vorbei. Umso wichtiger ist es, informierte Entscheidungen zu treffen.
Für Käufer ist das aktuelle Marktumfeld grundsätzlich günstig. Die Preise haben korrigiert, die Auswahl ist besser als in den Boom-Jahren, und die Wartezeiten bei Konzessionären haben sich verkürzt. Wer eine Uhr zum Tragen und Genießen sucht, findet attraktive Angebote. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass jede Uhr automatisch im Wert steigt. Kaufen Sie, was Ihnen gefällt – nicht, was Sie für eine sichere Anlage halten.
Für Verkäufer ist die Situation differenzierter. Wer in den Boom-Jahren zu Höchstpreisen gekauft hat, muss möglicherweise Verluste realisieren. Wer hingegen schon länger eine Uhr besitzt oder zu vernünftigen Preisen gekauft hat, kann immer noch attraktive Preise erzielen. Entscheidend ist, den richtigen Verkaufskanal zu wählen und realistische Preisvorstellungen zu haben.
Tipps für den erfolgreichen Verkauf:
Marktrecherche: Informieren Sie sich über aktuelle Preise für Ihr Modell auf verschiedenen Plattformen
Dokumentation: Vollständige Papiere, Box und Servicehistorie erhöhen den Wert erheblich
Zustand: Eine professionelle Aufbereitung kann sich lohnen, aber übertreiben Sie es nicht mit Polituren
Timing: Der Markt ist saisonal – vor Weihnachten und im Frühjahr ist die Nachfrage oft höher
Verkaufskanal: Wägen Sie ab zwischen Händlerankauf (schnell, aber niedrigerer Preis) und Privatverkauf (höherer Preis, aber mehr Aufwand)
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Ausblick: Was erwartet uns 2026 und darüber hinaus?
Prognosen im Luxusuhrenmarkt sind naturgemäß mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch lassen sich einige Trends identifizieren, die die Entwicklung in den kommenden Jahren prägen dürften.
Die Digitalisierung des Marktes wird weiter voranschreiten. Online-Plattformen, die Authentizität garantieren und sichere Transaktionen ermöglichen, werden an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird die Blockchain-Technologie zunehmend für die Dokumentation von Provenienz und Servicehistorie eingesetzt werden.
Nachhaltigkeit wird auch im Luxussegment wichtiger. Der Kauf einer gebrauchten Uhr ist per se nachhaltiger als der Neukauf, und dieses Argument wird zunehmend auch von jüngeren Käufern geschätzt. Marken, die auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit setzen, werden davon profitieren.
Die demografische Verschiebung der Käuferschaft setzt sich fort. Millennials und die Generation Z entwickeln ein wachsendes Interesse an mechanischen Uhren – nicht trotz, sondern gerade wegen der Allgegenwart digitaler Geräte. Die mechanische Uhr wird zum bewussten Statement gegen die digitale Überflutung.
Für den Sekundärmarkt bedeutet das: Die Nachfrage wird langfristig stabil bleiben oder wachsen. Die extremen Preisschwankungen der vergangenen Jahre werden sich jedoch nicht wiederholen. Der Markt wird professioneller, transparenter und für alle Beteiligten berechenbarer.
Fazit für Sammler und Investoren:
Luxusuhren bleiben eine attraktive Anlageklasse, sollten aber nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt betrachtet werden. Wer mit einem Zeithorizont von 10+ Jahren kauft, qualitativ hochwertige Stücke auswählt und den emotionalen Wert einer Uhr zu schätzen weiß, wird langfristig Freude an seiner Sammlung haben – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.
Praxisbeispiel: Eine Rolex Submariner durch die Marktzyklen
Um die Marktentwicklung greifbar zu machen, betrachten wir die Preisentwicklung einer konkreten Uhr: der Rolex Submariner Date (Referenz 126610LN), die 2020 eingeführt wurde.
Rolex Submariner 126610LN: Eine Preisreise
Die Submariner mit schwarzem Zifferblatt und Keramiklünette ist eines der ikonischsten Modelle von Rolex. Ihr Listenpreis liegt bei etwa 9.100 Euro. Doch auf dem Sekundärmarkt erzählt sie eine andere Geschichte.
Vorher
Listenpreis bei Einführung 2020: ca. 8.350 Euro
Marktpreis Anfang 2021: ca. 12.000-13.000 Euro
Höchststand Frühjahr 2022: ca. 16.000-18.000 Euro
Wartezeit beim Konzessionär: 2-5 Jahre
Nachher
Aktueller Listenpreis 2025: ca. 9.100 Euro
Aktueller Marktpreis: ca. 11.000-12.500 Euro
Aufpreis gegenüber Liste: ca. 20-35%
Wartezeit: deutlich kürzer, regional verfügbar
Die Submariner zeigt exemplarisch die Marktentwicklung: Nach dem Boom hat sich der Preis normalisiert, liegt aber immer noch über dem Listenpreis. Für Käufer ist das aktuelle Niveau attraktiver als 2022, für Verkäufer immer noch profitabel – sofern nicht zu Höchstpreisen gekauft wurde.
“Ich habe 2019 eine Submariner für €9.000 gekauft, weil ich sie haben wollte – nicht als Investment. Dass sie heute €12.000 wert ist, freut mich. Aber ich würde sie auch behalten, wenn sie €7.000 wert wäre.”
— Uhrensammler aus München
Häufig gestellte Fragen
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Der Luxusuhren-Sekundärmarkt hat sich nach dem Hype 2021/22 um etwa 25% korrigiert. Die Preise haben sich 2024 stabilisiert, aber eine klare Trendwende ist noch nicht absehbar. Käufer finden teilweise günstigere Einstiegschancen, Verkäufer sollten ihre Preiserwartungen anpassen. Langfristig bleibt der Markt für hochwertige Uhren interessant – als Wertgegenstand, nicht als spekulative Anlage.



